Preisträger 1991

Georges-Arthur Goldschmidt | Die Absonderung

Georges-Arthur Goldschmidt

Die Absonderung

Ammann Verlag
Zürich 1991
ISBN: 3-250-10149-4

Autor

Georges-Arthur Goldschmidt wurde 1928 in Reinbek bei Hamburg geboren. Obwohl er protestantisch erzogen wurde, galt Georges-Arthur nach den Gesetzen der Nazis als „Volljude“. Die Eltern schickten ihn deshalb nach Frankreich, wo er in einem Kinderheim vor seinen Verfolgern gerettet werden konnte. Heute lebt Goldschmidt in Paris. Er ist Mitglied des Deutsch-Französischen Kulturrats und Mitarbeiter verschiedener Feuilletons in Frankreich und Deutschland. Aus seiner Feder stammen zahlreiche Essays, Romane und Übersetzungen.

Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis wird in diesem Jahr einem Buch verliehen, mit dem sein Autor nach zwei thematisch ähnlichen Arbeiten zur deutschen Sprache zurückgefunden hat. Die Erzählung „Die Absonderung“ zeichnet in höchst eindrucksvoller Weise die Erfahrungen eines Kindes nach, das zum Opfer der Willkürmaßnahmen einer Diktatur geworden ist. Georges-Arthur Goldschmidt veranschaulicht uns in beklemmenden Bildern das Erlebnis eines Opfers, das nicht anders kann, als nach und nach die Rolle des Opfers zu akzeptieren. Erfahrung und Sprache sind in dem Text eine vollendete Verbindung eingegangen. Sie bezeugt eine Nähe von beidem im Bewusstsein des Autors, von der dieser in der Absonderung selber spricht: „Als er am Spähwagen vorbeikam und so tat, als ginge ihn das nichts an, hörte er zwei Soldaten über ihn sprechen. Gierig beinahe hörte er nach dem Klang der Muttersprache. Jahrelang hatte er ihn nicht mehr gehört, und doch verstand er jedes Wort.“ Dem Dichter Georges-Arthur Goldschmidt verdanken wir es, wenn wir von unserer Muttersprache und von uns selbst wieder etwas mehr verstehen.

Verleihung

Am 25. November 1991 nahm Georges-Arthur Goldschmidt in einer feierlichen Verleihung in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Erwin Schumacher, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio wurde von dem Journalisten, Autor und Literaturkritiker Jürgen Busche gehalten.