Preisträger 2012

Jürgen Dehmers | Wie laut soll ich denn noch schreien

Jürgen Dehmers

Wie laut soll ich denn noch schreien?

Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch

Rowohlt Verlag
Reinbeck bei Hamburg
ISBN 978-3-498-01332-5

Autor

Jürgen Dehmers ist das Alter Ego von Andreas Huckele, der als Schüler in den 80er Jahren die Odenwaldschule besuchte, dort eines der Opfer des Schulleiters Gerold Becker wurde und seit über einem Jahrzehnt Täter, Mitwisser, Schweiger und Vertuscher mit ihren Verbrechen konfrontiert. Jürgen Dehmers nutzt die Medien zur Anklage der Verantwortlichen, da durch das deutsche Rechtssystem wegen unzureichender Verjährungsfristen keine juristische Gerechtigkeit mehr geschaffen werden kann. Im Jahr 2010 gelang ihm die weitreichende Vernetzung der Betroffenen, und er wurde endlich von einer breiten Öffentlichkeit gehört.

Begründung der Jury

Jürgen Dehmers schildert in seinem 2011 erschienenen Bericht „Wie laut soll ich denn noch schreien. Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch“ (Rowohlt-Verlag) präzise, was ihm und anderen Schüler angetan wurde, er beschreibt auch die Folgen einer Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch – Gefühle der Ohnmacht, Angst, Wut, Ekel, Störungen der Persönlichkeitsentwicklung, bis hin zu Suchtkrankheiten und Suizidgefahr.

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Verleihung

Der 33. Geschwister-Scholl-Preis wurde am 26. November 2012 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität in München an Andreas Huckele verliehen, der sein Buch unter dem Pseudonym Jürgen Dehmers veröffentlicht hat. Oberbürgermeister Christian Ude und Dr. Jörg Platiel, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde. Die Laudatio hielt Dr. Tanjev Schultz (Süddeutsche Zeitung).

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Ansprache von Dr. Jörg Platiel

Sehr geehrter Damen und Herren,
lieber Preisträger,

Ich falle hier gleich mit der Tür ins Haus: der Mann, den wir heute mit dem Geschwister-Scholl-Preis auszeichnen, hat einen Skandal erzeugt. Er hat sich nicht rücksichtsvoll verhalten, wie es von ihm erwartet wurde, er hat Übereinkünfte durchbrochen, sich von Scham und Schande nicht beherrschen lassen und er hat prominente Bürger unseres Landes an den Pranger gestellt. Für einen solchen Typus gibt es hier zu Lande einschlägige Bezeichnungen: Störenfried, Außenseiter und Anstifter zum Beispiel, auch Provokateur oder bestenfalls, literarisch durch Heinrich von Kleist legitimiert: ein Michael Kohlhaas.

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Ansprache von Christian Ude

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

dies ist bereits die 33. Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises und zum 25. Mal schon findet sie hier in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität statt. Und da es eine treue Gemeinde ist, die zu dieser Verleihung kommt, werden Sie sich alle daran erinnern, dass in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle, die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich mit bisher verdrängten Aspekten des Nazi-Regimes bei den ausgezeichneten Werken im Vordergrund stand. Aber einzelne Werke haben sich auch Erscheinungen der Unterdrückung, des Missbrauchs, der Verfolgung, der Gefährdung in gegenwärtigen Gesellschaften zum Thema gemacht: Sei es das Treiben der italienischen Mafia, seien es politische Morde und Staatsversagen im gegenwärtigen Russland, sei es auch die Unterdrückung von Frauen durch archaische Menschenbilder im gesamten verwandtschaftlichen Umfeld - und heute haben wir wieder ein Gegenwartsereignis.

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Laudatio von Tanjev Schultz

Sehr geehrte Damen und Herren,
lieber Andreas Huckele,

was für einen Lauf haben Sie hinter sich, welche Kondition haben Sie bewiesen – und was für einen Sieg haben Sie errungen! Einen Sieg, den wir heute feiern wollen.

Andreas Huckele alias Jürgen Dehmers ist ja wirklich ein Sportler, ein Läufer und Triathlet. Und vielleicht liegt darin eine Erklärung dafür, warum Sie genügend Kraft und Ausdauer hatten, um die Wahrheit über die Odenwaldschule und die sexuelle Gewalt, die Lehrer dort jahrzehntelang ausübten, ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren – gegen alle Widerstände. Laufen ist Ihr Ding. Weglaufen nicht.

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Dankesrede von Jürgen Dehmers (Andreas Huckele)

Die Mailbox blinkte, als ich vor einigen Wochen nach Hause kam, an der Stimme meines Lektors Uwe Naumann erkannte ich sofort: Es handelt sich um eine gute Nachricht: "Sie bekommen den Geschwister-Scholl-Preis verliehen." Das tolle an einer Mailbox ist, die Nachricht kann so oft abgehört werden, bis man die Mitteilung verstanden hat.

Ich hätte niemals im Traum daran gedacht, dass es im Zusammenhang mit der Odenwaldschule einmal ein Ereignis geben könnte, das bei mir das Gefühl ungetrübter Freude auslösen würde. Jetzt war es soweit!

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