Preisträger 1980

Rolf Hochhuth | Eine Liebe in Deutschland

Rolf Hochhuth

Eine Liebe in Deutschland

Rowohlt Verlag
Reinbek bei Hamburg 1978
ISBN: 3-499-15090-5

Autor

Rolf Hochhuth wurde 1931 in Eschwege/Nordhessen geboren. Nach einer Buchhandelslehre war er in verschiedenen Funktionen in der Verlagsbranche tätig. Während eines Rom-Aufenthalts konzipierte er 1959 sein erstes Drama „Der Stellvertreter“. Dieses erregte nach der Uraufführung in Berlin weltweites Aufsehen. Seither hat Hochhuth immer wieder ein untrügliches Gespür für die brennenden Themen der Zeit bewiesen. Er lebt als freier Schriftsteller in Basel und Berlin.

Begründung der Jury

Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth befördert mit seiner ersten größeren Prosaarbeit die Einsicht in drei exemplarisch deutsche Vorgänge auf eine Weise, die der außergewöhnlichen Verpflichtung dieses Preises entspricht. Er rekonstruiert die am Galgen und im KZ endende Liebesgeschichte eines polnischen Kriegsgefangenen und einer Deutschen im Jahr 1941. Er beschreibt gleichzeitig seine Eindrücke beim Befragen überlebender Zeugen. Außerdem erörtert er die aktuellen Folgen seiner publizierten Ermittlungen. Mit der Unbedingtheit des extremen Moralisten, intolerant gegen jede Verschleierung, bewältigt Rolf Hochhuth diesen Stoff in einer Betroffenheit, die spürbar ihn selbst überwältigt. Mit dem Preis wird vor allem eine Haltung gewürdigt, die von politischer, ideologischer Unabhängigkeit zeugt, Antworten auf unbequeme Fragen provoziert und so dem verantwortungsbereiten Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse verschafft.

Verleihung

Am 13. November 1980 nahm Rolf Hochhuth den Preis entgegen. Oberbürgermeister Erich Kiesl und Hans Dieter Beck, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt Armin Eichholz.

Laudatio von Armin Eichholz

Ich will jetzt nicht so tun, als wär’s ein Preis wie jeder andere. Und als sei es ganz selbstverständlich, dass Hochhuth ins Alte Münchner Rathaus kommt, um sich ausnahmsweise loben zu lassen. Wo doch die Verrisse nur so rauschen, und viele erwarten, dass er als „unerträgliche Provokation“ heruntergemacht wird. Die Stadt hätte sich bestimmt leichter getan mit einem großbürgerlichen Thomas-Mann-Preis oder beim Überreichen der silbernen Straußenfeder. Mein Dank gilt darum den Stadträten, den bayerischen Verlegern und Buchhändlern: sie haben es zum größeren Teil entgegen ihrer abweichenden Meinung ein paar unabhängigen Leuten überlassen, den ersten Träger des großen Münchner Buchpreises zu bestimmen. Das ist kulturpolitisch ein Novum. Denn wem je München leuchtete, der weiß: wer hier die Lichtrechnung bezahlt, will auch gern selber die Birne einschrauben.

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