Preisträger 1985

Jürgen Habermas | Die neue Unübersichtlichkeit

Jürgen Habermas

Die neue Unübersichtlichkeit

edition suhrkamp
Frankfurt am Main 1985
ISBN: 3-518-11321-6

Autor

Jürgen Habermas, geboren 1929 in Düsseldorf, ist emeritierter Professor für Philosophie und Soziologie. Er gilt als einer der einflussreichsten Intellektuellen der Bundesrepublik
Deutschland. Mit seiner aus der Frankfurter Schule entstandenen kritischen Gesellschaftstheorie rückte er während der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Sein Hauptwerk, die „Theorie des kommunikativen Handelns“ erschien 1981. 2001 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2004 den Kyoto-Preis für Philosophie. Jürgen Habermas lebt in Starnberg bei München.

Begründung der Jury

Mit dem Buch „Die neue Unübersichtlichkeit“, einer Sammlung publizistischer Arbeiten der letzten Jahre, legt der international renommierte Philosoph und Sozialwissenschaftler Jürgen Habermas erneut Zeugnis ab von seinem singulären Rang als hellsichtiger Diagnostiker der geistigen und politischen Kultur der Bundesrepublik. „Die neue Unübersichtlichkeit“ beschreibt und analysiert die Krisenphänomene unserer Gegenwart: die Gefahren eines technischen Fortschritts, der außer Kontrolle zu geraten droht, die Gefährdungen des Sozialstaats, die staatliche Überreaktion gegenüber Spuren zivilen Ungehorsams, die notorische Selbstgerechtigkeit im Umgang mit der Vergangenheit, die neuerliche Konjunktur mythischen Denkens, schließlich die Irritationen und Bewusstseinseintrübungen einer Epoche, der ihre Selbstgewissheiten abhanden gekommen sind. Die Opposition gegen machtstaatliche Arroganz und das Engagement
für solidarische Formen des Zusammenlebens brachten Jürgen Habermas neben Zustimmung auch böswillige Verdächtigungen und berufliche Restriktionen ein. Für seinen vielfach bewiesenen intellektuellen Mut und seine moralische Integrität erhält Jürgen Habermas den Geschwister-Scholl-Preis des Jahres 1985.

Verleihung

Am 18. November 1985 nahm Jürgen Habermas bei einer feierlichen Verleihung den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Klaus G. Saur, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt Prof. Dr. Alexander Kluge.