Preisträgerin 1986

Cordelia Edvardson | Gebranttes Kind sucht das Feuer

Cordelia Edvardson

Gebranntes Kind sucht das Feuer

Carl Hanser Verlag
München 1986
ISBN: 3-446-14260-6

Autorin

Cordelia Edvardson wurde 1929 in Berlin geboren und lebte dort bis 1943 mit ihrer Mutter, der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer. 1943 kam sie mit einem „Judentransport“ über Theresienstadt nach Auschwitz. Sie überlebte die Zeit im Lager und arbeitete nach dem Krieg als Journalistin in Schweden. Während des Jom-Kippur-Krieges 1974 übersiedelte sie nach Israel, das für sie zur Wahlheimat wurde. Dort war die Schriftstellerin als Auslandskorrespondentin für eine große schwedische Tageszeitung tätig. 2006 kehrte sie nach Schweden zurück, wo sie 2012 verstarb.

Begründung der Jury

Als Tochter der katholischen Dichterin Elisabeth Langgässer und eines jüdischen Vaters schildert sie in quälenden Familienszenen und Schreckensberichten aus den Lagern ihre barbarisch zerrissene Kindheit. Wie das von Spaniern adoptierte Mädchen der Mutter zuliebe nach Theresienstadt und Auschwitz geht, wie sie Buch führen muss beim KZ-Arzt Mengele, wie sie nach der Befreiung in Schweden langsam auflebt und schließlich im Jom-Kippur-Krieg zu sich findet – das ist Gegenwartsstoff für eine antike Tragödie. Cordelia Edvardson schreibt ihre ungeheuerliche Kinder- und Opfergeschichte so sachlich und doch fassungslos traurig, dass der Leser noch ein halbes Jahrhundert danach begreift: Die Vergangenheit ist unserer Barmherzigkeit ausgeliefert.

Verleihung

Am 17. November 1986 nahm Cordelia Edvardson den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Klaus G. Saur, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt Armin Eichholz.

Laudatio von Armin Eichholz

Meine Damen und Herren, verehrte Frau Edvardson,

ich glaube, es gibt, vor allem in meiner Generation, keinen, den Ihre Worte gestern in den Kammerspielen nicht in tiefe Sprachlosigkeit gestoßen hätten. Aber auch getrieben hätten in diesen ratlosen Bekenner- und Beteuerungsdrang, von dem jeder weiß, wie unbehelflich er doch bleibt. Ich kenne keine Instanz, von der da ein Trost zu erwarten ist. Selbst wenn ich vor Ihnen knie, müsste ich das noch begreifen als eine Nötigung. Es könnte wirken wie eine versuchte Fortsetzung der Verfolgung mit einem geradezu tückischen Mittel, nämlich mit der eigenen Gewissenslast.

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