Preisträgerin 1988

Grete Weil | Der Brautpreis

Grete Weil

Der Brautpreis

Verlag Nagel & Kimche
Zürich/Frauenfeld 1988
ISBN: 3-312-00140-4

Autorin

Die Jüdin Grete Weil wurde 1906 in Rottach-Egern geboren. Sie studierte Germanistik und begann bereits als junge Frau zu schreiben. 1932 heiratete sie Edgar Weil, Dramaturg an den Münchner Kammerspielen. Mit ihm gemeinsam versuchte sie durch Flucht nach Amsterdam der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entkommen. Nach der Kapitulation der Niederlande wurde ihr Mann 1941 im KZ Mauthausen umgebracht, sie selbst überlebte in einem Versteck. Nach dem Krieg kehrte sie nach Deutschland zurück, heiratete wieder und war seit den fünfziger Jahren als Schriftstellerin, Übersetzerin und freie Rundfunkmitarbeiterin tätig. Sie lebte bis zu ihrem Tod 1999 in Grünwald bei München.

Begründung der Jury

Zweiundfünfzig Jahre nach der Flucht aus Deutschland wird der ehemaligen Münchner Germanistik-Studentin, der Schriftstellerin Grete Weil, für den Roman „Der Brautpreis“ und in Ansehung ihres Lebenswerkes der Geschwister-Scholl-Preis 1988 zuerkannt. Wie schon in ihrem Roman „Meine Schwester Antigone“ erfasst Grete Weil, die den „morbus Auschwitz“ als ihre unheilbare Krankheit erkannt hat, das Geflecht der historischen Beziehungen und des persönlichen Schicksals so weit in die Vergangenheit zurück wie vor ihr noch keine überlebende Zeugin. Über drei Jahrtausende hinweg erfühlt sie eine Verwandtschaft mit König Sauls Tochter Michal, der ersten Frau von König David, und führt durch das dichterische Gegenüber von biblischer und eigener Geschichte in eine neue Dimension des historischen Bewusstseins. Es ist eine deutsche Elegie aus kaum gebändigter Wut, großer Liebessehnsucht und rücksichtsloser Selbsterforschung. Der Mut
zum unbequemsten Gedanken und die genaue Beschreibung des Schreckens erheben den Roman zu einem würdigen Begleitbuch von Flugblättern der Weißen Rose.

Verleihung

Am 28. Oktober 1988 nahm Grete Weil in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Joachim Spencker, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt Armin Eichholz.

Laudatio von Armin Eichholz

Meine Damen und Herren, verehrte Frau Weil,

als Münchnerin werden Sie jetzt innerhalb von 35 Minuten zum vierten Mal an sich selbst erinnert. Nicht gerechnet die Interviews, die Reportagen, die Besuche in der Herzog-Sigmund-Straße. Und es ist sehr die Frage, ob Ihnen das so konveniert, wie wir es in langsam heranschleichender Unschuld vielleicht annehmen.
Als eine unheilbar Auschwitz-Kranke lassen sie sich jetzt anreden von einem, der zur Generation Ihrer Mörder gehört. Es ist, als wenn Sie sich selbst und Ihren Lesern immer aufs neue zurufen müssten: Doch! Es geht schon!

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