Preisträger 1990

Lea Rosh, Eberhard Jäckel | Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Eberhard Jäckel/Lea Rosh

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Deportation und Ermordung der Juden. Kollaboration und Verweigerung in Europa

Hoffmann und Campe
Hamburg 1990
ISBN: 9783455083583

Autoren

Eberhard Jäckel, geboren 1929 in Wesermünde, studierte Geschichte, klassische Philologie und Öffentliches Recht. Er promovierte und habilitierte sich 1961 mit einer Arbeit über Hitlers Frankreichpolitik. In der Nachfolge von Golo Mann leitete Jäckel ab 1967 und bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart. 2017 ist Eberhard Jäckel im Alter von 88 Jahren gestorben.

Lea Rosh wurde 1936 in Berlin als Edith Rosh geboren. Sie studierte Geschichte, Soziologie und Publizistik. In den 70er Jahren startete sie ihre Karriere beim Norddeutschen Rundfunk, entwickelte das Magazin „Frauenforum“, wechselte dann zum ZDF-Studio nach Berlin. Sie moderierte unter anderem „Kennzeichen D“ und die Talksendung „3 nach 9“.

Begründung der Jury

Immer wieder hat sich die Fernsehjournalistin Lea Rosh in Filmen, Dokumentationen und Talk-Shows mit dem Unbegreiflichen jüngster deutscher Geschichte auseinandergesetzt, mit Opfern und Tätern. Ihre bisher umfangreichste Arbeit hat sie zusammen mit dem Historiker Eberhard Jäckel vorgelegt. Nach mehrjährigen Recherchen und Dreharbeiten sind vier Fernsehfilme und darüber hinaus eine eigenständige Buchdokumentation „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ entstanden. An der Vernichtung der europäischen Juden haben sich etwa 17 Länder beteiligt. Die grundlegende Dokumentation von Lea Rosh und Eberhard Jäckel deckt den unterschiedlichen Grad von Mitwirkung und Verweigerung in den jeweiligen europäischen Ländern auf.

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Verleihung

Am 25. November 1990 nahmen Eberhard Jäckel und Lea Rosh in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Joachim Spencker, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander.

Laudatio von Rachel Salamander

"...es war still im Gebirg, wo sie gingen, der und jener. Still wars also, still dort oben im Gebirg. Nicht lang wars still, denn wenn der Jud daherkommt und begegnet einem zweiten, dann ists bald vorbei mit dem Schweigen, auch im Gebirg … Die Geschwätzigen. Haben sich ... etwas zu sagen. Gut, lass sie reden …
Bist gekommen von weit, bist gekommen hierher …
Weiss ich.
Weisst du und willst mich fragen: Und bist gekommen trotzdem, bist, trotzdem, gekommen hierher, warum und wozu?
Warum und wozu … weil ich hab' reden müssen, vielleicht, zu mir oder zu dir …"

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