Preisträger 1992

Wolfgang Benz, Barbara Distel | Solidarität und Widerstand

Wolfgang Benz/Barbara Distel

Solidarität und Widerstand

Dachauer Hefte 7

Verlag der Dachauer Hefte
Dachau 1991

Herausgeber

Wolfgang Benz, geboren 1941, ist Professor an der Technischen Universität Berlin und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung. Er ist Herausgeber des Jahrbuchs für Antisemitismusforschung, Mitherausgeber der Dachauer Hefte und der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert vorgelegt.

Barbara Distel, geboren 1943, als Bibliothekarin ausgebildet, hat in den Jahren 1964 bis 1967 maßgeblich am Aufbau der KZ-Gedenkstätte Dachau, besonders der Bibliothek und des Archivs, mitgewirkt. 1975 übernahm sie die Leitung der Gedenkstätte. Barbara Distel ist Mitglied im International Advisory Board des Simon-Wiesenthal Center, im Beirat der Stiftung Topographie des Terrors und des Hauses der Wannseekonferenz in Berlin.

Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis wird in diesem Jahr den Dachauer Heften verliehen, herausgegeben von der Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Barbara Distel und dem
Historiker Wolfgang Benz, weil die Themen der Dachauer Hefte uns eindrücklich davor warnen, je wieder gleichgültig zuzuschauen, wenn menschenverachtende Parolen und Taten unsere Verfassung und damit unsere Demokratie gefährden; weil in diesen Heften unsere so genannte jüngste Vergangenheit auch aus bisher unbekannten Quellen dokumentiert, unter den verschiedensten Aspekten erforscht und davor bewahrt wird, in Vergessenheit zu geraten; weil es in diesen Heften, wie die Herausgeber es einmal formulierten, „nicht um die Beschwörung der Vergangenheit als Selbstzweck, sondern um die Nutzanwendung der Erinnerung für eine demokratische und humane Gesellschaft“ geht; weil das hier ausgezeichnete 7. Heft, „den im Verborgenen gebliebenen Widerstandskämpfern und denen“ gewidmet ist, „denen Solidarität selbstverständlich war“;
weil wir heute Menschen brauchen, die den Anfängen widerstehen und denen Solidarität mit bedrohten Menschen selbstverständlich ist.

Verleihung

Am 23. November 1992 nahmen Wolfgang Benz und Barbara Distel in einer feierlichen Verleihung in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Erwin Schumacher, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt Gabriele von Arnim, die 1994 den Verein "Memento - Initiative KZ-Gedenkstätte Dachau" gründete.

Laudatio von Gabriele von Arnim

"Die Demokratie ist eine Schule mit so vielen Klassen, so vielen Prüfungen, wie das Leben selbst. Nicht jedes Volk erreicht und besteht alle, und innerhalb des einzelnen Volkes sind immer eine gewisse Anzahl Schüler ausgesprochen schlecht. Es kommt nicht überall und nicht alle Tage vor, dass die Zurückgebliebenen gleich die Schule in Brand stecken möchten. Aber so ist es heute in Deutschland. Sie möchten brandstiften, um nicht lernen zu müssen, und inzwischen grölen sie, treiben Unfug und vergreifen sich tätlich an „politischen Gegnern“, wenn dumme Jungen überhaupt politische Gegner haben könnten. ... Aber die vernünftigen und brauchbaren Lebensschüler sind in Deutschland die Stärkeren. Sie werden dafür sorgen, dass uns das Schlimmste erspart bleibt."

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