Preisträger 1998

Saul Friedländer | Das Dritte Reich und die Juden

Saul Friedländer

Das Dritte Reich und die Juden

Die Jahre der Verfolgung 1933-1939

Verlag C.H. Beck
München 1998
ISBN: 3-406-44871-2

Autor

Saul Friedländer wurde 1932 als Kind deutschsprachiger Juden in Prag geboren. Im Alter von sechs Jahren floh er nach Paris und überlebte unter falschem Namen in einem katholischen Internat. Seinen Eltern misslang die Flucht in die Schweiz; sie wurden in Auschwitz ermordet. In einem langwierigen Prozess wendete sich Friedländer nach dem Krieg dem Judentum zu. 1948 wanderte er nach Israel aus. Nachdem er seine Lehrtätigkeit als Professor für Geschichte an der Universität Tel Aviv aufgegeben hat, lebt er mittlerweile hauptsächlich in Los Angeles.

Begründung der Jury

Saul Friedländer führt in seinem Buch zusammen, was in den meisten Darstellungen zur Geschichte der Verfolgung der Juden in den ersten Jahren des „Dritten Reiches“ getrennt behandelt wurde: die Rolle Hitlers und seiner ideologischen Obsessionen, die Aktivitäten der radikalen Mitglieder der NSDAP, die Einstellungen und Verhaltensweisen der deutschen Gesellschaft und schließlich die Reaktion der Opfer selbst. Durch die Verknüpfung der verschiedenen Ebenen gelingt es ihm, die Vielschichtigkeit eines Prozesses deutlich zu machen, der mit erbarmungsloser Konsequenz darauf hinauslief, den Juden in Deutschland die wirtschaftliche Existenz zu rauben, sie gesellschaftlich zu isolieren und in die Emigration zu treiben.

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Verleihung

Am 23. November 1998 nahm Saul Friedländer den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Christoph Wild, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der feierlichen Preisverleihung hielt Jan Philipp Reemtsma.

Laudatio von Jan Philipp Reemtsma

Was wollen wir wissen? Von welchen Zeiten das Geschichtsbuch auch handelt: wie es gewesen ist. Aber warum? Thukydides sagt uns: um das zu erkennen, was hinter den Kulissen der bloßen Erscheinung steckt. Warum ist etwas geschehen? Man kann auf die Tatsachen verweisen, die Abläufe, die Oberfläche des Geschehens – „di ho ti" sagt Thukydides –, aber das reicht nicht, man muss dem wahren Grund auf die Spur kommen – „alethestate prophasis".

Thukydides erfindet diese für die Geschichtsschreibung so folgenreiche Unterscheidung zu derselben Zeit, in der Platon seine Ideenlehre erfindet. Es geht in beiden Fällen im Grunde um dasselbe: die Unterscheidung von Erscheinung und Wesen. Jene hat man verstanden, wenn man dieses erkannt hat.

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