Preisträger 1999

Peter Gay | Meine deutsche Frage

Peter Gay

Meine deutsche Frage

Jugend in Berlin 1933-1939

Verlag C.H. Beck
München 1999
ISBN 3-406-42110-5

Autor

Peter Gay wurde 1923 in Berlin geboren, fand 1941 Aufnahme in den USA und war emeritierter Sterling Professor für Geschichte der Yale University und Direktor des Dorothy and Lewis B. Cullman Centers für Wissenschaftler und Schriftsteller an der New York Public Library. 1983/84 war Peter Gay Fellow des Wissenschaftskollegs in Berlin. Für seine Werke erhielt Gay unter anderem den National Book Award und den Ralph Waldo Emerson Award of Phi Beta Kappa. Von ihm erschien "Freud, Juden und andere Deutsche", 1986 (S. Fischer Verlag) und eine fünfbändige Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts: Erziehung der Sinne. "Sexualität im Zeitalter der Aufklärung" (1986), "Die zarte Leidenschaft. Liebe im bürgerlichen Zeitalter" (1987), "Kult der Gewalt. Aggression im bürgerlichen Zeitalter" (1996), "Die Macht des Herzens. Das 19. Jahrhundert und die Erforschung des Ich" (1997) und "Bürger und Bohème. Kunstkriege des 19. Jahrhunderts" (1999) (alle Verlag C.H. Beck). Er starb am 12. Mai 2015 im Alter von 91 Jahren in New York.

Begründung der Jury

"Die Jury zeichnet damit ein Werk aus, das auf exemplarische Weise die Beschreibung eines jüdischen Einzelschicksals mit der Analyse einer Epoche verbindet. Uneitel und unprätentiös, ohne Selbstmitleid und mit feinem Humor erzählt der Autor, der 1923 als Peter Fröhlich geboren wurde und 1939 buchstäblich in letzter Minute mit seiner Familie emigrieren konnte, das Drama seiner Jugend im Berlin der dreißiger Jahre. Er zeigt, wie widersprüchlich die Alltagsrealität unter der Nazi-Diktatur war, und gibt so eine Antwort auf die immer wieder gestellte Frage, warum viele deutsche Juden sich erst spät (oder auch gar nicht) entschließen konnten, das Land zu verlassen.

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Verleihung

Am 22. November 1999 nahm Peter Gay in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Christoph Wild, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio wurde von Karl Dietrich Bracher gehalten.

Laudatio von Karl Dietrich Bracher

Als Historiker und Zeitzeuge zugleich hat Peter Gay uns Deutschen und allen an Deutschland Interessierten ein Buch über die Jugendgeschichte in der NS-Diktatur geschenkt, das in seinem bedeutenden Lebenswerk einen ganz besonderen Platz einnimmt.
Er hat die Auszeichnung in hohem Maße verdient, erinnert der Geschwister Scholl-Preis doch nicht nur an den mutigen Widerstandsakt vom 18. Februar 1943, mit dem wenige Studenten der Universität München hier in der dunkelsten Zeit Deutschlands zur Erhebung gegen das verbrecherische Hitler-Regime und die fehlende Zivilcourage seiner allzu vielen Mitläufer aufriefen. Er erinnert uns auch unmittelbar an die schändliche Irreführung und Aufhetzung der Jugend zumal gegen die Juden, deren Auswirkungen Peter Gay uns persönlich auf sehr eigene Weise nahe bringt.

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Dankesrede von Peter Gay

"Bevor ich meinen Wortschwall über Sie ergehen lasse, möchte ich eine kurze Bemerkung voran schicken, die Sie hoffentlich nicht zu tief enttäuschen wird: Der Name Martin Walser wird in ihm nicht vorkommen.

Die Frage, die ich heute anschneiden werde, folgt direkt aus meiner dankbaren Anerkennung, dass deutsche Institutionen und eine deutsche Jury bereit gewesen sind, ein Buch auszuzeichnen, das mit Deutschland keineswegs unkritisch umgeht. Besonders deswegen und weil diese Auszeichnung Brücken zwischen zwei Welten baut und meinen Namen mit tapferen Deutschen verbindet, die in der Nazizeit gelebt und gelitten haben, ist dieser Preis eine einmalige Ehre für mich.

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