Preisträger 2002

Raul Hilberg | Die Quellen des Holocaust

Raul Hilberg

Die Quellen des Holocaust

aus dem Amerikanischen von Udo Rennert

S.Fischer Verlag
Frankfurt am Main 2002
ISBN: 3-10-033626-7

Autor

Raul Hilberg wurde am 2. Juni 1926 in Wien geboren. 1939 flüchteten seine Eltern mit ihm vor dem nationalsozialistischen Terror nach Nordamerika. Dort studierte er u.a. bei dem Politikwissenschaftler und Juristen Franz Neumann, der aus Berlin hatte fliehen müssen. 1945 kam Hilberg als amerikanischer Soldat nach Deutschland und entdeckte in München die in Kisten verpackte Privatbibliothek Hitlers. Dieses Erlebnis stand am Beginn einer lebenslangen Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus.
Raul Hilberg hat eines der wenigen Standardwerke über den Holocaust geschrieben, das in einer dreibändigen Fassung im Fischer Taschenbuch Verlag unter dem Titel "Die Vernichtung der europäischen Juden" vorliegt. Er veröffentlichte im S. Fischer Verlag das Buch "Täter, Opfer, Zuschauer" und seine Autobiographie "Unerbetene Erinnerung. Der Weg eines Holocaust-Forschers". 1999 erhielt er für sein Lebenswerk den Marion-Samuel-Preis der "Stiftung Erinnerung". Raul Hilberg starb am 4. August 2007.

Begründung der Jury

"Die Jury empfiehlt, den Geschwister-Scholl-Preis 2002 an das Buch "Die Quellen des Holocaust" von Raul Hilberg zu vergeben. Dieses Buch verdient den Preis nicht zuletzt für seine nonkonformistische Strenge: Es zeigt Fachleuten wie Laien, wie seriöse historische Forschung zur Judenvernichtung in allen ihren Aspekten heute auszusehen hat. Ein elementar aufklärendes Buch wie dieses gehört zur Grundausstattung etwa von Schulbibliotheken, um zur selbständigen Forschung anzuregen.

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Verleihung

Am 02. Dezember 2002 nahm Raul Hilberg in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Rosemarie von dem Knesebeck, Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt der Historiker Hans Mommsen.

Laudatio von Hans Mommsen

Die diesjährige Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises an Professor Raul Hilberg geht von seinem jüngsten Buch über „Die Quellen des Holocaust“ aus, in dem der Nestor der Geschichtsschreibung des „Holocaust“ den Leser mit der Vielfalt und Eigenart der überlieferten Dokumente und Artefakten vertraut macht, die für die Aufschlüsselung des komplexen und sensitiven Gegensandes relevant sind. Die Preisverleihung stellt zugleich eine späte öffentliche Anerkennung der hervorragenden Verdienste dar, die sich Hilberg in jahrzehntelanger entsagungsvoller Arbeit für die Erforschung des „Holocaust“ erworben hat.

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Dankesrede von Raul Hilberg

Zweierlei Widerstand

Ich habe gegrübelt, worüber ich heute Abend in meiner Danksagung sprechen könnte, und in diesen Überlegungen drängte sich ein einziger Gedanke voran: die Bedeutung des Widerstandes. Zwei blasse Leichen junger Leute, die hier ihr Leben ließen, kamen mir nicht aus dem Sinn. Mit ihnen ist der Geschwister-Scholl-Preis verbunden, und das ist das Thema, das jedes andere verdrängt.

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