Preisträgerin 2004

Soazig Aaron | Klaras NEIN

Soazig Aaron

Klaras NEIN

aus dem Französischen von Grete Osterwald
mit einem Vorwort von Jorge Semprun

Friedenauer Presse
Berlin 2003
ISBN: 3-932109-32-5

„Klara ist wieder da“ – damit beginnt Angelika Ende Juli 1945 ein Tagebuch, um festzuhalten und zu verarbeiten, wie sie nach der Rückkehr ihre Freundin und Schwägerin Klara erlebt. Nach 29 Monaten im Konzentrationslager Auschwitz und einer Irrfahrt durch halb Europa kehrt diese nach Paris zurück. Die Schwägerin hält in ihrem Tagebuch fest, was ihr an Klara auffällt, was sie sagt, und es ist das Unaussprechliche, das sich durch Klaras Stimme, in Bruchstücken und unter größter Anstrengung, nach und nach mitteilt. „Klaras NEIN“ ist die erschütternde, fiktive Geschichte einer Verweigerung und inneren Wandlung einer „toten Überlebenden“.

Autorin

Soazig Aaron wurde 1949 in Rennes geboren. Nach dem Studium der Geschichte arbeitete sie einige Jahre in einer Pariser Buchhandlung. Sie lebt heute in der Bretagne. „Klaras NEIN“ ist ihr erstes Buch. Als Historikerin hat Soazig Aaron Berichte von Überlebenden der Konzentrationslager gelesen, schrieb das Buch „Klaras NEIN“ aber ohne Betroffene persönlich zu kennen. Als Französin und Nicht-Jüdin hatte sie – so Aaron – den nötigen Abstand und die Freiheit, solch ein Buch zu schreiben.

Begründung der Jury

"Soazig Aaron erzählt in ihrem (ersten) Roman eine ungeheuerliche Geschichte: Klara, nach 29 Monaten im KZ als eine der letzten heimgekehrten Überlebenden zurück in Paris, weigert sich kategorisch, wieder ein “normales Leben” zu führen, und sie will auch die eigene Tochter nie wieder sehen.

Die Jury hat dieses literarische Meisterstück so beeindruckt, weil die Autorin etwas schildert, was so bislang noch nicht beschrieben war: Sie erzählt die Geschichte einer “überlebenden Toten”, einer Überlebenden, die für jeden und alle eine Zumutung zu sein glaubt – und das auch tatsächlich ist.

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Verleihung

Am 22. November 2004 nahm Soazig Aaron in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Rosemarie von dem Knesebeck, Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio hielt Verleger und Hochschullehrer Christoph Buchwald, der auch Mitglied der diesjährigen Jury war.

Ansprache von Rosemarie von dem Knesebeck

Magnifizenz,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Frau Aaron,
meine sehr verehrten Damen und Herren, im Saale und aus der Jury,

vor über 80 Jahren erschien bei Hoffmann und Campe ein kleines Taschenbuch mit dem Titel „Deutscher Reaktions-Almanach“. Der Herausgeber hatte 1920 bereits jenes Zeichen der Zeit erkannt, das der ersten deutschen Republik zum Verhängnis werden sollte: Eine Kreuzspinne – auf dem Rücken das Hakenkreuz – leuchtete vom schwarz-weiß-roten Buchumschlag. Die Illustrationen des engagierten Bändchens stammten unter anderem von Käthe Kollwitz, die Textbeiträge von Walter Hasenclever, Paul Zech, Armin T. Wegner, von Alfred Döblin und Kurt Tucholsky, der gleich unter drei seiner Pseudonyme vor den Feinden der ersten deutschen Republik warnte.

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Ansprache von Christian Ude

Zum 25. Mal wird heute der Geschwister-Scholl-Preis verliehen. 1980 haben der Verband Bayerischer Verlage und Buchhandlungen, der inzwischen als Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels firmiert, und die Landeshauptstadt München diesen Preis ins Leben gerufen. Seither wird damit jährlich ein Buch ausgezeichnet, das im weitesten Sinn an das Vermächtnis der Geschwister Scholl erinnert, von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.

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Laudatio von Christoph Buchwald

Chère Madame Aaron, meine sehr verehrten Damen und Herren,

gestatten Sie mir vorab folgende kleine Abschweifung: Eines der wunderbarsten und erstaunlichsten Phänomene der Literatur und der Künste ist es, dass die pure Fiktion, die reine Erfindung “wahrer” sein kann als jede auf Fakten basierende Darstellung. Ästhetik und Philosophie beschäftigen sich damit seit der Antike.

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Dankesrede von Soazig Aaron

Ich danke
- dem Rektor der Universität München, Prof. Dr. Bernd Huber
- dem Oberbürgermeister der Stadt München, Herrn Christian Ude
- der Vorsitzenden der Jury des Geschwister-Scholl-Preises, Frau Rosemarie von dem Knesebeck sowie jedem einzelnen Jurymitglied.
Dem Laudator Herrn Christoph Buchwald sage ich großen Dank für seine Worte zu „Klaras Nein“. Ich danke auch den Musikern.

Dank und Anerkennung schulde ich aber auch meiner Verlegerin, Frau Katharina Wagenbach-Wolff, der Übersetzerin Grete Osterwald sowie Monsieur Jorge Semprun für sein so bewegendes Vorwort zur deutschen Ausgabe. Aber auch meinen französischen Verleger, Monsieur Maurice Nadeau, will ich an diesem Tag nicht unerwähnt lassen.
Und all den Autoren, die hier gelesen, auserwählt und vor mir schon mit diesem Preis ausgezeichnet wurden, schicke ich einen kollegialen Gruß.

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