Preisträger 2009

Roberto Saviano | Das Gegenteil von Tod

Roberto Saviano

Das Gegenteil von Tod

Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuß

Carl Hanser Verlag
München 2009
ISBN: 978-3-446-23335-5

Autor

Roberto Saviano, 1979 in Neapel geboren, studierte Philosophie an der Universität Neapel Federico II. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Journalist für den Corriere del Mezzo-giorno, Il Manifesto und L`Espresso. Für "Gomorrha", sein erstes Buch, wurde Roberto Savia-no u.a. mit dem Premio Viareggio ausgezeichnet. "Gomorrha" löste 2006 in Italien, aber auch den europäischen Nachbarländern, eine breite Diskussion über die weltweite Macht der Camorra aus. Der Autor erhielt in der Folge Morddrohungen und lebt heute unter Polizeischutz. Er ist Mitglied der Organisation "Osservatorio sulla camorra e l`illegalità".

Begründung der Jury

Der Geschwister-Scholl-Preis 2009 wird dem italienischen Schriftsteller Roberto Saviano verliehen. Er erhält den Preis für sein aktuelles Buch "Das Gegenteil von Tod", aber darüber hinaus für sein engagiertes Schreiben insgesamt, das im Sinne des Preises „von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem gegenwärtigen Verantwortungsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.“ Roberto Saviano hat den Mut, die Wahrheit zu sagen – er spricht Dinge aus, die in Italien fast niemand zu sagen wagt und die damit unseren Blick auf Italien verändert haben.

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Verleihung

Am 16. November 2009 nahm Roberto Saviano in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis entgegen. Oberbürgermeister Christian Ude und Wolf Dieter Eggert, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde. Die Laudatio hielt Giovanni di Lorenzo.

Ansprache von Wolf Dieter Eggert

Magnifizenz,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrter Roberto Saviano,
meine sehr verehrten Damen und Herren, im Saale und aus der Jury,

Ein Wort ist zurückgekehrt ins Bewusstsein, in unsere Alltagssprache. Ein einziges Wort, das alle bisherigen Geschwister-Scholl-Preisträger charakterisiert, allen voran unseren heutigen, dreißigsten und selbst erst dreißigjährigen Roberto Saviano: ich spreche von „Zivilcourage“.
Worte verblassen, wenn sie nicht gelebt werden. Sie blenden sich aus dem allgemeinen Bewusstsein aus, wenn Frauen und Männer sie nicht durch ihr Denken und Handeln verkörpern.

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Ansprache von Christian Ude

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen zur bereits – man glaubt es ja kaum, es ist aber wirklich wahr – 30. Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises. Mit dem heutigen Abend wird der Preis zum 30. Mal verliehen und ich glaube, dass es in diesem Jahr in ganz besonderer Weise gelungen ist, dem Zweck des Preises tatsächlich zu dienen. Er soll geistige Unabhängigkeit, die unter Beweis gestellt worden ist mit einem Werk, auszeichnen und ehren, aber auch moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut und die Übernahme von Verantwortung für das Gemeinwesen

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Dankesrede von Roberto Saviano

Dieser Preis ist sehr viel mehr als nur ein Lob, und ich hoffe, dass es mir durch meine Worte gelingt, Ihnen zu verdeutlichen, was die Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises für mich bedeutet.

Wenn ich einen Preis verliehen bekomme oder eingeladen werde, erreichen mich häufig zunächst einmal Gerüchte, Gratulationen von Freunden oder Bekannten, die etwas aufgeschnappt haben, bevor mich die offizielle Mitteilung erreicht. „Ja weißt du, anscheinend sollst du eingeladen werden…“ „Ich gratuliere dir, was für eine Bestätigung, du bekommst anscheinend den Preis….“ Ich bin verwirrt und durcheinander, weil mich die Nachrichten langsam, oft unvollständig, über Umwege erreichen.

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Dankesrede von Roberto Saviano (italienisch)

Essere premiato non è una semplice lusinga è qualcosa di più e spero di riuscire, attraverso le mie parole, a spiegare ciò che significa per me, oggi, ricevere il premio dedicato ai fratelli Scholl.
Forse più eloquenti delle parole sono le sensazioni che il mio corpo ha provato quando mi hanno comunicato che quest'anno avevano deciso di assegnarlo a me.
Spesso, quando vinco un premio o ricevo un invito, prima che mi arrivi comunicazione ufficiale, mi giungono voci, complimenti di amici e conoscenti che captano frasi, cenni. “Sai, pare ti vogliano invitare…” “Complimenti, bella soddisfazione, pare tu abbia vinto…” Io mi sento frastornato, perché le notizie mi arrivano lentamente, sempre incomplete, sotterranee.

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Laudatio von Giovanni di Lorenzo

Einer, der mit der Feder auf Verbrecher zielt
Der Schriftsteller Roberto Saviano

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich will nicht lange drum herumreden: Es gibt zurzeit niemanden in Italien, dessen Geschichte mich so bewegt und empört wie die von Roberto Saviano. Man muss sich das einmal vorstellen:

Da ist ein junger Mann aus Süditalien, der nach seinem Philosophie-Studium an einem Buch über das organisierte Verbrechen in seiner Heimat schreibt. Er interviewt Camorra-Mitglieder, studiert Akten, verfolgt Gerichtsprozesse und recherchiert verdeckt als Hafenarbeiter.

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