Preisträger 2015

Achille Mbembe | Kritik der schwarzen Vernunft

Achille Mbembe

Kritik der schwarzen Vernunft

Suhrkamp
Berlin 2014
ISBN: 978-3-518-58614-3

Autor

Achille Mbembe, geboren 1957, ist ein kamerunischer Historiker und politischer Philosoph. Er zählt zu den Vordenkern des Postkolonialismus. Mbembe lehrt nach Stationen an der Columbia University, der University of California in Berkeley, der Yale University und der Duke University heute an der University of the Witwatersrand in Johannesburg.

Begründung der Jury

Der aus Kamerun stammende, in den Vereinigten Staaten ausgebildete, heute in Südafrika lebende Historiker und Philosoph hat mit seiner Kritik der schwarzen Vernunft nicht weniger vorgelegt als eine Neuvermessung der Geschichte des Kapitalismus und der Globalisierung. Seine Hauptthese in diesem kraftvoll geschriebenen Buch lautet, dass die globalen Waren- und Kapitalströme ohne die Etablierung einer Asymmetrie zwischen den Weltteilen nicht möglich gewesen wäre. Diese Asymmetrie freilich wurde nicht abstrakt hergestellt, sondern durch eine „schwarze Vernunft“, durch die Erfindung des Schwarzen, des „Negers“ als einer pejorativen, ja schwarzen Figur, die die Augenhöhe einer Idee der Menschheit in toto unmöglich macht. Mbembe zeigt, dass der Rassismus keine normative Abweichung von der europäischen Aufklärung darstellt, sondern eines ihrer konstitutiven Momente darstellt.

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Verleihung

Der 36. Geschwister-Scholl-Preis wurde am 30. November 2015 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität in München an Achille Mbembe verliehen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (rechts) und Michael Then, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V., überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde (Foto: Yves Krier). Die Laudatio hielt Prof. Dr. Paul Gilroy (King's Collage London)

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Ansprache von Michael Then

Um es gleich am Anfang klipp und klar zu sagen, in Achille Mbembes Buch „Die Kritik der schwarzen Vernunft“ geht es um nichts weniger als um „Rassen“ und „Rassismus“. Und damit verbunden um den „Neger“. Und um die damit verbundenen Ideen und Ideologien. Nach Georges-Louis Leclerc de Buffons erster Klassifizierung der Rassen von 1749 ist der „Neger“ ein Tier, kein Mensch, böse, hässlich und wollüstig.

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Ansprache von Dieter Reiter

„Verlassen wir dieses Europa, das nicht aufhört, vom Menschen zu reden, und ihn dabei niedermetzelt, wo es ihn trifft, an allen Ecken seiner eigenen Straßen, an allen Ecken der Welt. Ganze Jahrhunderte hat Europa nun schon den Fortschritt bei anderen Menschen aufgehalten und sie für seine Zwecke und seinen Ruhm unterjocht; ganze Jahrhunderte hat es im Namen seines angeblichen ‚geistigen Abenteuers‘ fast die ganze Menschheit erstickt.“

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Laudatio von Paul Gilroy

W.E.B Du Bois, der führende schwarze Intellektuelle des 20. Jahrhunderts, kehrte 1894 in die Vereinigten Staaten zurück. Seine Zeit als Student in Deutschland hatte ihn verändert und er veröffentlichte ein Buch, “Die Seelen der Schwarzen”, das ihn schnell zum Anführer seiner Leute machte. Literarische und politische Zufälle dieser Art gibt es selten. In seinem Fall war seine Führungsrolle jedoch nicht etwas, das er angestrebt oder erwartet hatte.

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Laudatio von Paul Gilroy (englisch)

W.E.B. Du Bois, the twentieth century’s leading black intellectual, returned home to the United States in 1894. Transformed by his experiences as a postgraduate student in Germany, he published a book, The Souls of Black Folk, that swiftly made him a leader of his people. Literary and political contingencies of that kind are rare. In his case, the role of leadership was not something he had sought or a position that he had anticipated.

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Dankesrede von Achille Mbembe

Lassen Sie mich Ihnen allen sagen, wie sehr ich mich freue, heute hier in München, dieser wunderbaren Stadt, und besonders in ihrer Universität sein zu dürfen. Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrter Herr Präsident der LMU, zunächst möchte ich Ihnen für Ihren warmherzigen Empfang danken. Ihre Anwesenheit hier und heute ehrt mich zutiefst.
Mein besonderer Dank gilt zudem der Jury des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die mich in den großen Kreis hochrangiger Dichter und Denker, die vor mir den Geschwister-Scholl-Preis erhalten haben, aufgenommen hat.

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Dankesrede von Achille Mbembe (französisch)

Je serai bref. Je voudrais vous dire, à tous et à toutes, combien je suis heureux d’etre ici à Munich, dans cette ville et dans cette université.

1.
Je ne saurais vous dire, Monsieur le Maire et Monsieur le Président de l’Université, combien j’apprécie votre hospitalité et votre compagnie. Je suis, d’autre part, profondément reconnaissant au jury de la Borsenverein des Deutschen Buchhandels de m’avoir accueilli dans cette grande famille – celle de tant d’illustres écrivains et penseurs qui ont reçu, avant moi, le Prix Geschwister Scholl. Dans le meme esprit de gratitude, je voudrais exprimer ma reconnaissance à l’égard de toutes les institutions allemandes qui ont contribué à cette belle fete ainsi qu’à la maison d’édition Suhrkamp Verlag et au traducteur de l’ouvrage.

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