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Preisträgerin 1984

Anja Rosmus-Wenninger | Widerstand und Verfolgung

Anja Rosmus-Wenninger

Widerstand und Verfolgung

Am Beispiel Passaus 1933-1939

Andreas-Haller-Verlag
Passau 1983
ISBN: 3-88849-011-1

Autorin

Anna Elisabeth Rosmus, auch Anja genannt, wurde 1960 in Passau geboren. 1980 nahm sie an einem Aufsatzwettbewerb it dem Thema „Alltag im Nationalsozialismus. Vom Ende der Weimarer Republik bis zum Zweiten Weltkrieg“ teil. 1983 wurde das daraus resultierende Buch „Widerstand und Verfolgung am Beispiel Passaus 1933–1939“ veröffentlicht. Ihre Recherchen brachten sie dazu, Passau zu verlassen. Seit 1994 lebt sie in den USA. Seit den Anfängen in Passau konzentriert Anna Rosmus ihre Forschungsarbeit auf die Zeit des Nationalsozialismus. Sie hat mehrere Bücher und zahlreiche Veröffentlichungen für wissenschaftliche Institutionen, Zeitschriften und Zeitungen publiziert. Ihre Lebensgeschichte diente Michael Verhoeven 1990 als Vorbild für seinen Film „Das schreckliche Mädchen“.

Begründung der Jury

Ausgehend von einem Schülerwettbewerb „Deutsche Geschichte“ um den Preis des Bundespräsidenten hat Anja Rosmus-Wenninger den höchst unbequemen Mut aufgebracht, sich nicht zufrieden zu geben mit dem vorhandenen, fertig gerahmten Geschichtsbild ihrer Heimatstadt. Unter dem Eindruck, dass die 30er Jahre bald wie der 30jährige Krieg nur noch aus den Archiven zugänglich sind und nur Genormtes überliefert wird, wandte sie sich, 45 Jahre nach Kriegsbeginn, mit der Bitte um Aufklärung an die letzten Augenzeugen.
Maßgebend für die Verleihung war nicht der bei Bürgern und Ämtern ausgelöste Unwille, auf die späten Fragen einer Unbetroffenen einzugehen. Vielmehr achtet die Jury das jugendlich unbeirrte, von keiner Ideologie gelenkte und von wenig Sympathie begleitete Durchhalten von Anja Rosmus-Wenninger beim Erforschen der Wahrheit. Ihre Dokumentation ist weder Anklage noch Schuldzuweisung, sondern frisch erarbeiteter Lehrstoff zum vorsorglichen Nachdenken über das Menschenmögliche.

Verleihung

Am 19. November 1984 nahm Anja Rosmus-Wenninger im Alten Rathaussaal in München den Preis entgegen. Bürgermeister Klaus Hahnzog und Klaus G. Saur, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (ehemaliger Name des Verbandes bis 2003), überreichten als Stellvertreter der Stifter die Urkunde.

Die Laudatio bei der feierlichen Verleihung hielt Armin Eichholz.

Laudatio von Armin Eichholz

Sie hören aus der Barockmusik heraus, dass eine beruhigende Veranstaltung vorgesehen ist. Wär’s eine Aspekte-Sendung, müssten Sie damit rechnen, dass im musikalischen Hintergrund das Horst-Wessel-Lied mit der Internationalen kämpft und ein Kirchenchor dazwischenkommt, der seinerseits die Gitarre von Siegfried Zimmerschied im Nacken hat...
Es ist das erste Mal in der kurzen Geschichte des Münchner Geschwister Scholl-Preises, dass eines ganz klar wird: er prämiert nicht den schöngeistigen Ausweg. Der Name verlangt nach höherer Besessenheit auch etwas außerhalb der Literatur. Er verlangt eine riskantere Haltung. Und damit, meine Damen und Herren, sind Sie mitten in der Jury, die sich jedes Jahr fragt: was ist denn bei uns schon riskant?

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Impressionen